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Auch mal Ballast abwerfen – äußerlich & innerlich

Bild: By W.carter - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62264805
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Spätestens bei einem Umzug wird uns meist bewusst, wie viel „Kram“ sich eigentlich in den letzten Jahren angesammelt hat. Einen Teil davon können wir sicherlich rechtzeitig aussortieren, vermutlich wird aber einiges wieder im Keller oder auf dem Dachboden verschwinden – bis wir dann das nächste Mal umziehen und der ganze Spaß von vorne beginnt. Es ist vertrackt: Etwas endgültig wegzugeben, fällt uns häufig schwer. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir es wirklich brauchen. Und so schleppen wir immer mehr mit uns herum als eigentlich nötig wäre.

Dabei kann es sehr erleichternd sein, sich von Dingen zu trennen. Wie beim Heißluftballon, der mit dem Abwerfen der Sandsäcke höhersteigen kann. Wenn wir keine Verwendung mehr für etwas haben, belastet es uns bloß. Indem es unnötig Raum einnimmt oder wir es gar von A nach B räumen müssen, damit es uns nicht im Weg steht. Deshalb ist es sinnvoll, von Zeit zu Zeit eine kleine Entschlackungskur vorzunehmen und generell gut zu überlegen, was wir eigentlich dauerhaft behalten wollen. Kleiner Tipp dazu: Machen Sie ein Foto von jenen Gegenständen, mit denen Sie besondere Erinnerungen verbinden. Manchmal reicht das schon aus, um die Vergangenheit zu ankern, und sie haben anschließend mehr Platz im Schrank oder anderswo.

Das Prinzip des Ballastabwerfens gilt übrigens nicht nur für Gegenständliches, sondern auch für Gedanken und Gefühle. Wenn wir zig verschiedene Ideen mit uns herumtragen oder immer wieder an unbeendete Projekte denken müssen, blockieren wir uns schnell selbst – denn die Zeit reicht einfach nicht, um alles umzusetzen. Also lohnt es sich, hier ebenfalls auszusortieren und einen Großteil unserer Vorhaben zumindest zeitweise ad acta zu legen. So können wir uns voll und ganz auf das fokussieren, was aktuell wichtig ist. Und verspüren schneller wieder das motivierende Gefühl, wirklich voranzukommen.

Nehmen Sie sich doch einfach mal die Zeit, um Wichtiges von Unwichtigem zu trennen – äußerlich wie innerlich. Schließlich schadet es ja nicht, es zumindest einmal auszuprobieren.

Bild: By W.carter - Own work, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=62264805

Der Tod

Bild: By-Auquamitzi---Own-work-CC-BY-SA-4.0-httpscommons.wikimedia.org
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Der Tod

„Anschlag in London – 11 Tote“. „Mindestens 20 Tote bei Anschlag in Burkina Faso“. „Eine Tote bei Ausschreitungen in Charlottesville“. „Viele Tote und Verletzte in Barcelona“…

Der Tod ist nicht nur ein uns nahes Thema der lokalen Trauerseiten, er schafft es immer öfter auf die Titelseiten der Tageszeitungen. Jeden Tag gibt es Meldungen über Anschläge, Unfälle und Tragödien, die Tote zu beklagen haben.

Manchmal scheinen die Nachrichten ganz nah und manchmal ganz fern. Allen gemein ist, dass die Toten bestattet werden wollen. Es gibt sie also, die Bestatter, die auch in Zeiten solcher Tragödien ihre Arbeit tun und den Konsequenzen dieses Geschehens nicht aus dem Weg gehen können: der Bestattung der Toten und der Trauer der Angehörigen. „Tägliches Brot“ für einen Bestatter, könnte man meinen, aber in besonders tragischen Fällen sicher viel mehr als das!

Im Juni 2015 fuhr ein Konvoi von mehr als 16 Bestatterwagen die toten Schüler des Germanwings-Absturzes zu ihrer letzten Ruhestätte. Ein sehr bewegender Tag auch für die mitfahrenden und begleitenden Bestatter.

Ein solcher Blick auf das Berufsfeld des Bestatters lässt einen respektvoll den Hut ziehen! Und es zeigt einmal mehr, dass der Tod und der Abschied zum Leben gehören – manchmal ganz nah und auch ganz fern.

Bild: By-Auquamitzi---Own-work-CC-BY-SA-4.0-httpscommons.wikimedia.org

Den letzten Willen umsetzen – auf Nummer sicher gehen.

Bíld:Von Diego Delso, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37344897
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Nicht immer wird der letzte Wille so umgesetzt, wie gedacht. Die Gründe dafür sind vielfältig, ein nicht auffindbares Testament ist einer davon.

Wo Menschen ihr Testament aufbewahren, bleibt jedem selbst überlassen, es gibt hierfür keine Vorgaben. Wer aber möchte, dass sein letzter Wille neutral aufbewahrt und auch gefunden wird, kann ihn bei Gericht hinterlegen und registrieren lassen.

Die sogenannte Bundesnotarkammer pflegt per staatlichem Auftrag seit 2012 das Zentrale Testamentsregister (ZTR). Dieses Register erfasst die Angaben zu allen Testamenten und erbfolgerelevanten Urkunden, sofern sie beim Gericht oder Notar aufbewahrt werden. Das heißt, dass nicht die tatsächliche Urkunde im Register zu finden ist, wohl aber der verpflichtende Hinweis darauf, dass es ein Testament gibt, wer es verfasst hat und wo es zu finden ist.

Die Verwahrung des Testaments beim Amtsgericht ist Voraussetzung für die Registrierung im ZTR. Aktuell liegen die Gebühren für eine Verwahrung bei Gericht bei 75 Euro, die Registrierung im ZTR kostet zusätzlich 15-18 Euro.

Im Todesfall wird das Zentrale Testamentsregister durch das zuständige Standesamt informiert. Hier gibt es dann schnell die Auskunft darüber, ob erbfolgerelevante Urkunden registriert sind und wo diese verwahrt werden. Das Testament gelangt automatisch über das Amtsgericht zum Nachlassgericht, das wiederum die Hinterbliebenen informiert.

Foto: Von Diego Delso, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37344897

Architektur schafft Lebensqualität – mitten auf dem Friedhof

Bíld: Martin Gust
Bíld: Martin Gust

Am 24./25. Juni fand der diesjährige „Tag der Architektur“ unter dem bundesweiten Motto „Architektur schafft Lebensqualität“ statt. In diesem Jahr in Nordrhein-Westfalen mit dabei: der neue Abschiedsraum des kommunalen Friedhofs Delstern in Hagen.

Hier trifft Denkmal auf Moderne. Das unter Denkmalschutz stehende Eduard-Müller-Krematorium wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Auftrag des Hagener Kunstmäzens Karl Ernst Osthaus durch den Architekten Peter Behrens geplant und gebaut. Ein mit viel Aufmerksamkeit ausgezeichnetes Kleinod inmitten einer parkähnlichen Friedhofs-Anlage.

Seit 1912 finden hier Einäscherungen statt, die beeindruckende Trauerhalle fasst viele Besucher und die anliegenden Abschiedsräume dienen seit jeher der privaten Abschiednahme.

Seit 2016 wird an dieser Stelle mit ganz neuer Architektur auf die Bedürfnisse der Menschen eingegangen – denn der Abschiedsraum versteht sich heute als Ort, der uns als Hinterbliebenen Schutz bieten soll, der Raum schafft für die emotional außergewöhnliche Situation, der unsere Sinne berührt und den Moment besonders macht. Der neue Abschiedsraum auf dem Delstern-Friedhof erzeugt eine harmonische und offene Atmosphäre, die respektvoll mit dem Verstorbenen und dem Abschiednehmenden umgeht. Ein guter Ausgangspunkt für die kommende Zeit der Trauerbewältigung.

Ein Besuch dieses besonderen Ortes lohnt sich.
Eduard-Müller-Krematorium, Friedhof Delstern, Am Berghang 30, 58093 Hagen

Bíld: Martin Gust

Einfach mal rausgehen und durchatmen

Bild: By Uoaei1 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50284353
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Die Zeit der ständigen Kälte ist vorbei und schon seit einer ganzen Weile zeigt der Frühling an allen Ecken, wie farbenfroh und facettenreich unsere Welt auch jenseits der HD-Bildschirme sein kann. Sonne und Wärme beleben das Gemüt und bringen uns manchmal sogar so richtig ins Schwitzen. Da ist es dann nicht weiter schlimm, wenn zwischendurch mal eine Wolkenfront aufzieht – ganz ehrlich: Was gibt es denn Angenehmeres als das erfrischende Gefühl von kühlem Sommerregen auf der Haut?

Es ist jedes Mal erstaunlich, was der Wechsel der Jahreszeit bewirken kann. Probleme, die wir den Winter über mit uns herumgetragen haben, können sich im sonnengestärkten Herzen verändern und werden zu Herausforderungen – und zwar zu solchen, die sich bewältigen lassen. Und wenn uns nun etwas umtreibt, dann ist es einfach an der Zeit, einen Schritt vor die Tür zu wagen. Die Füße über Bürgersteige, Feldwege und Wiesen wandeln zu lassen und dem Kopf damit den Raum zu geben, den er braucht. Beim Gehen denkt es sich häufig besser als eingezwängt in der Wohnung oder im Büro. Unter freiem Himmel können sich die Gedanken besser entfalten – was auch wundervoll ist für den kleinen kreativen Schub für zwischendurch. Manchmal reichen dafür schon wenige Minuten.

Und was so leicht in den Hintergrund rückt: einfach mal entspannen. Einige Momente auf der Wiese liegen oder es sich auf einer Parkbank gemütlich machen. Die Sonne durch die geschlossenen Augenlider spüren. Den Kopf freibekommen. Sich etwas Zeit nehmen, um zurückzublicken.

Es klingt vielleicht seltsam – aber auch der stille Gang über den Friedhof kann sehr beruhigend und inspirierend sein. Allein der Gedanke daran, welche Geschichten sich hier verbergen. Dieser Ort hat viel zu erzählen über das, was vor uns war. Und wenn wir ihn schließlich wieder verlassen, haben wir womöglich auch ein geschärftes Bewusstsein für das, was vor uns liegt.

Bild: By Uoaei1 - Own work, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=50284353

Spiel mir das Lied vom Tod …

Bild: By Petar Miloševic (Own work, stacked 8 macro images) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons
Bild: By --Böhringer (Own work) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia CommonsBild: By Petar Miloševic (Own work, stacked 8 macro images) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia

Trauermusik gehört dazu – zu einer Abschiedsfeier und einer Bestattung. Denn die Musik trägt und beflügelt die Trauergefühle und zwängt sie nicht in Worte oder Gesten, sondern lässt sie frei.

Victor Hugo, ein französischer Schriftsteller, formulierte es so: „Die Musik drückt das aus, was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.“

Regeln gibt es eigentlich keine, denn die Abschiedszeremonie heute soll persönlicher und individueller denn je sein. Dem Verstorbenen ein letztes Geleit geben und die Trauergesellschaft trösten – oder soll man sagen: in Stimmung bringen? Denn mittlerweile gibt es die „Best of“-Trauercharts. Für jede Gefühls- und Geschmackslage ist etwas dabei. Immer auf den Spitzenplätzen zu finden sind „Who Wants to Live Forever“ von Queen, „I Did It My Way” von Frank Sinatra, aber auch das klassische „Ave Maria” von Franz Schubert.

Sicher gehen Menschen ganz unterschiedlich mit ihrer Trauer um und drücken sie individuell aus – in der Auswahl von Kleidung, Blumen und eben auch in der Musik. Der eine mag sich humorvoll verabschieden, der andere rockig und der nächste wieder klassisch instrumental, nicht jeder Trauergast wird die Auswahl ebenso als passend empfinden. Aber wie kann es sein, dass oftmals die gleiche Musik erklingt, als gäbe es nur einige wenige Musikstücke?

Musik zur persönlichen Untermalung einer Abschiedsfeier – gerne ja!

Musik zur reinen Inszenierung einer dramatischen Klangkulisse – besser nein!

Nehmen Sie sich doch die Zeit und hören Sie in sich hinein, welche Musik Ihnen in Ihrer Trauer am Herzen liegt – dann liegen Sie mit Ihrer Auswahl sicher richtig und die Musik wird einen wichtigen Beitrag zum Abschied leisten.

Viele Bestatter haben auf ihren Webseiten ganze musikalische Bibliotheken zur Auswahl, hier finden Sie nicht nur die „Best of“, sondern können sich inspirieren lassen und etwas persönlich Passendes finden.

Eine schöne und innige Aufgabe in traurigen Zeiten!

Bild: By Petar Miloševic (Own work, stacked 8 macro images) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Friedhof verändern – Teil 2: In die Mitte des Lebens rücken

Bild: By --Böhringer (Own work) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons
Bild: By --Böhringer (Own work) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons

Wenn Sie sich einen Ort vorstellen, an dem Sie morgens vor der Arbeit eine Runde joggen gehen, wo Sie in der Mittagspause die warmen Sonnenstrahlen auf den geschlossenen Augenlidern genießen und dann am Nachmittag gemeinsam mit Ihren Kindern eine Picknickdecke ausbreiten, um den Alltagsquerelen zum Trotz einige dieser so wertvollen Kodak-Momente zu erleben – woran denken Sie da? Sicher nicht an Friedhof. Aber wäre das so absurd?

Die meisten Friedhöfe sind sehr stille und irgendwie auch ein wenig trostlose Orte. Menschen kommen hierher, um zu trauern. Jeder Ausdruck von Fröhlichkeit oder gar ein glockenklares Lachen, das über die Gräber schallt, käme einem Frevel gleich. Es ist allgemeiner Konsens, sich auf einem Friedhof möglichst ruhig und „respektvoll“ zu verhalten. Das gehört sich einfach so.

Das Problem dabei ist: Der Friedhof, so wie er jetzt besteht, ist vom Aussterben bedroht. – Ironie des Todes, könnte man sagen.

Immer weniger Menschen legen wirklich Wert auf ein schönes Grab. Und warum auch, wenn dieser Wert kaum noch spürbar ist? Lohnt sich der Aufwand denn überhaupt für den obligatorischen Friedhofsbesuch einmal im Jahr? Da können wir doch lieber gleich die Sparvariante nehmen. Die, bei deren Anblick sich die Trauer quasi ganz von alleine einstellt.

Doch es geht auch anders – an manchen Orten bereits heute schon:

Mitten auf dem Dortmunder Hauptfriedhof weiden Schafe auf einer großen Wiese. Tagsüber trifft man auf den Wegen immer mal wieder Sportler an, teils sogar in größeren Gruppen. Auch die Tier- und Pflanzenwelt zeigt sich hier von ihrer besten Seite. Es gibt viel zu sehen. Eine Zeit lang soll sogar einmal ein Mann auf diesem Friedhof gelebt haben – so sagt man sich.

Dieses und andere Beispiele geben einen kleinen Ausblick auf das, was Friedhof werden kann: ein Ort, der den Tod und das Leben vereint. Hier geht es nicht nur um Trauer, sondern vielmehr um all die schönen Erinnerungen, die uns auch weiterhin begleiten. Doch damit das möglich ist, müssen wir den Friedhof mehr in unsere Mitte rücken und offener mit diesem Thema umgehen – miteinander sprechen, verändern, gestalten. Sicher, die eigentliche Handlung spielt sich dann vor allem dort ab, wo Friedhofsverordnungen aufgesetzt werden. Aber grundsätzlich ändern muss sich etwas erst einmal ganz woanders: in unser aller Köpfen.

By --Böhringer (Own work) [CC BY-SA 2.5 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5)], via Wikimedia Commons

Mensch versus Zeit

Bild:Von Khoroshkov - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49088446
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Woran bemisst sich der Wert eines Lebens? An seiner Dauer? – Bestimmt nicht. Und doch haben wir das Gefühl, dass uns ständig die Zeit davonrennt …

Wenn wir uns nun einen Augenblick davon nehmen und darüber nachsinnen, was im Rückblick gesehen wirklich wichtig ist, so werden sich schnell einige Spitzen abzeichnen: prägende Momente mit unserem Partner, mit unseren Kindern oder mit Freunden – besondere Erfolgserlebnisse in der Schule, im Beruf oder anderswo – Augenblicke jugendlicher Unsterblichkeit (die einige Lenze später immer einen Hauch von Wehmütigkeit hinterlassen). Und wenn wir dann all diese Momente auf einen Haufen werfen – wie viel Zeit kommt da zusammen?

Unser Gedächtnis beherrscht das Prinzip „Qualität vor Quantität“ in Perfektion. Wer erinnert sich schon in aller Ausführlichkeit an all die trägen Nachmittage im Büro, an endlose Minuten in Warteschlangen, an die gesamte Zeit, die wir mit Zähneputzen verbracht haben? Im Filter der Erinnerung wird vieles ausgesiebt, was im Nachhinein nicht wichtig ist. Und zurück bleibt bloß eine gute Hand voller Gedankengold.

Dieses Wissen ist sehr wertvoll, denn es zeigt: Selbst in kleinsten Zeitspannen steckt ein unglaubliches Potenzial an Lebensqualität. Das sollten wir im Gedächtnis behalten für ebenjene Gelegenheiten, in denen uns gefühlt die Zeit abhandengekommen ist. Denn Zeit allein ist nicht wichtig – sondern vielmehr das, was wir daraus machen.

Und noch ein kleiner Gedanke: All die besonderen Augenblicke aus der Vergangenheit tragen wir immer bei uns. Wenn wir zwischendurch eine kleine Stärkung für den weiteren Weg brauchen, sind sie da. Und es kostet uns kaum Zeit.

Bild:Von Khoroshkov - Eigenes Werk, CC-BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=49088446

Wenn Erbe Erben sucht!

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Bild: ZwieRys at the Lithuanian language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

„3,1 Billionen Euro sind Schätzungen zufolge bis 2024 in Deutschland zu vererben. Doch nicht immer ist ein Erbe zu finden …“, so ein Artikel der WR am Samstag, den 10. September 2016.

Das ist einmal eine interessante Perspektive des Themas „Erben“, wird doch oft nur davon gesprochen, dass kein Erbe, nicht aber keine Erben vorhanden sind.

Was unternimmt also der Staat oder das Land, um rechtsstaatlich zu bleiben, wenn offensichtlich keine Angehörigen oder bestellte Erben vorhanden sind?

Nachlasspfleger werden von den Gerichten dazu bestellt, herrenloses Vermögen an die richtigen Adressaten zu überführen. Der Nachlasspfleger übernimmt anstelle der Erben die Kontrolle und Sicherung des Erbes und die daraus resultierenden Pflichten. Die Aufgabenbereiche der Pfleger sind vielfältig und reichen von der Organisation der Beerdigung über die Haushaltsauflösung bis hin zur Rechnungslegung gegenüber dem Nachlassgericht. Die Tätigkeit endet immer mit der vollständigen Abwicklung des Nachlasses oder mit dem Auffinden von tatsächlichen Erben.

In besonders kniffligen Fällen können die Nachlasspfleger ihre Fälle an Erbenermittler weitergeben. Diese beschäftigen sich in Deutschland seit mehr als 100 Jahren und seit 2010 in einem Verband organisiert mit der Suche nach Erben und mit der lückenlosen urkundlichen Dokumentation der Verwandtschaftsverhältnisse. „Manche Fälle sind so verzwickt, dass einen der sportliche Ehrgeiz packt, herauszufinden, wo die Gesuchten Spuren hinterlassen haben … Es ist eine mühevolle Kleinarbeit!“, so ein Erbenermittler aus Münster. Werden die Nachlasspfleger oder Ermittler nicht fündig, geht nach einer Karenzzeit von 30 Jahren das Erbe an das Land.

Was wird in Deutschland vererbt?*

In 2015 hinterließen die Verstorbenen in 72 % der Erbschaftsfälle Kapital. Vererbt werden in Deutschland vor allem Immobilien und Grundstücke, gefolgt von Möbeln und Schmuck. Der Anteil von zu erbenden Schulden liegt bei nur ca. 4 %.

Weitere Informationen gibt es unter: www.vdee-ev.de Verband Deutscher Erbenermittler.

(*Quelle WR Nr. 212 /RRG 1)

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Friedhof Heute − Realität oder Vision?

Bild: ZwieRys at the Lithuanian language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons
Bild: ZwieRys at the Lithuanian language Wikipedia [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia Commons

Initiativen gibt es viele. Für alle nur denkbaren Themen: Verbraucherinitiativen, Betroffeneninitiativen, Studenteninitiativen … Meistens sind es betroffene Gruppen und Interessengemeinschaften, die diese ins Leben rufen und mehr oder weniger aktiv betreiben.

Friedhof Heute ist ebenso eine Initiative, aber eine besondere. Denn sie spricht nicht nur eine gewisse Gruppe Gleichgesinnter an, sondern uns alle. Das Leben und die Vergänglichkeit und somit der Tod machen uns quasi alle zu aktiven Mitgliedern.

Der Friedhof ist aus unserem Leben nicht wegzudenken, jedes Kind kennt ihn. Er gehört zu unserem selbstverständlichen Stadtbild wie eine Kirche, ein Rathaus oder eine Schule, fast jeder von uns hat ihn schon einmal besucht. Seit Jahrhunderten zeugt unsere Kultur davon, dass die Toten einen ehrenvollen und beständigen Platz in unserer lebendigen Mitte einnehmen. Gestern, heute und sicher auch noch morgen.

Der Friedhof erzählt täglich Geschichten kultureller Art − wie wurde vor 100 Jahren bestattet, welche Ehrenbürger gab es in der Stadt, wie pompös waren Grabsteine früher und welche Bestattungsart und Grabgestaltung ist heute zeitgemäß? Der Friedhof erzählt persönliche Geschichten von trauernden, von hoffnungslosen und hoffnungsvollen Menschen, von täglichen und gelegentlichen Besuchern, von Ruhesuchenden und von Aktiven, die durch die grüne Oase joggen. Bestatter, Pfarrer, Verwaltungsangestellte, Steinmetze, Floristen und Friedhofsgärtner finden hier ihre berufliche Perspektive − das alltägliche Leben findet auch auf dem Friedhof statt.

Friedhof Heute möchte dazu beitragen, diese wunderbaren Orte für die Toten und die Lebenden zu bewahren und sie als wertvolles kulturelles Erbe und als kulturelle Zukunft zu erhalten. Denn der Friedhof und wir sind es wert!

Viele interessante, praktische, alltägliche und skurrile Dinge rund um das Thema Friedhof erfahren Sie unter: www.friedhof-heute.de

Friedhof Heute − Gehört zum Leben!

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Für wen mache ich das hier eigentlich?

Von I, Luca Galuzzi, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1810800
Von I, Luca Galuzzi, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1810800

Unsere Verstorbenen beizusetzen, ist eines der Herzstücke unserer Kultur. Seit vielen Jahrtausenden gibt es Gräber – schon in der Steinzeit in einfacher Form, später bei den Ägyptern in teils gigantischen Ausmaßen. Der Friedhof, wie wir ihn heute kennen, ist aus dem normalen Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Warum auch? Und doch hat sich in den letzten Jahren einiges verändert:

Während die Bestattungskultur selbst zunehmend mehr Möglichkeiten eröffnet, um auf sehr persönliche und teils auch außergewöhnliche Weise Abschied zu nehmen, schwindet gleichzeitig an vielen Stellen das Bewusstsein für den eigentlichen Wert dieses Rituals. Klar, die nächsten Angehörigen befinden sich in der Verantwortung, die entsprechenden Schritte einzuleiten. Es gehört ja quasi auch zum guten Ton. Aber muss es denn wirklich etwas Besonderes sein? Das geht doch auch einfach, ohne großen Aufwand und vor allem: kostengünstig.

Sicherlich geht das. Nur ob das die richtige Entscheidung ist, zeigt sich oft erst später – wenn nichts mehr daran zu ändern ist. Deswegen sollten wir uns zuerst eine ganz elementare Frage stellen: Für wen mache ich das hier eigentlich?

Für den Verstorbenen?

Womöglich – weil sich schließlich jeder irgendwo wünscht, nicht sang- und klanglos zu verschwinden, sondern dass man an uns denkt. Und wenn wir uns schon nicht kümmern, wie können wir dann glauben, dass es später jemand bei uns tun wird? Aber für wen machen wir es dann tatsächlich? Denn rein rational gesehen, ist es für den Verstorbenen eher irrelevant, in welchem Sarg er liegt, wie die Trauerfeier abläuft oder wie sein Grab aussieht. Es wird ihm schließlich niemand mehr verraten. Wir dagegen fühlen ganz genau, ob ihm das alles gerecht wird oder nicht.

Und genau deshalb ist die Antwort im Kern meist eine andere: für mich selbst.

Denn wir sind es, die mit diesen Entscheidungen leben müssen. Wenn ein Abschied in lieblosem Ambiente stattfindet, dann sind wir es, die dasitzen und das aushalten müssen. Wir sind es, die die Erinnerung daran mit sich tragen werden, ein Leben lang. Dieser Moment ist nicht wiederholbar. Daher sollten wir unsere Entscheidungen so treffen, dass wir uns auch später noch damit gut fühlen.

Eine „besondere“ Bestattung ist übrigens nicht zwingend eine Sache der Brieftasche – vielmehr kommt es auf die vielen kleinen Details an, auf die Bereitschaft, sich einzubringen. Das kann jeder. Und es sollte nicht aus einer Pflicht heraus passieren, sondern aus dem Gefühl, dass „richtig“ zu handeln auch gut ist für uns selbst.

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