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Phasen der Trauer

Nach der Psychologin Verena Kast findet die Trauerarbeit in vier Phasen statt.

 

  1. Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens

Die Phase ist meist von kurzer Dauer und beansprucht wenige Tage bis Wochen. Lediglich bei plötzlichen Todesfällen hält sie länger an. Der Trauernde leugnet den Verlust und lebt weiter, als habe es den Tod nicht gegeben. Er steht unter einem Gefühlsschock, ist empfindungslos und starr. Das Nicht-wahrhaben-Wollen des Todes bedeutet neben Verdrängung auch Schutz vor den überwältigenden Gefühlen.

 

  1. Phase der aufbrechenden Emotionen

In dieser Phase kommen ganz unterschiedliche Gefühle auf wie Wut, Trauer, Freude (dass die Beziehung überhaupt existiert hat), Schmerz, Schuldgefühl, Angst, Ruhelosigkeit, Zorn. Dieses Gefühlschaos ruft oft Schlafstörungen hervor. Starke Gefühlsausbrüche von Zorn, Wut und Schuldgefühlen treten verstärkt bei unzeitigem Tod und plötzlichem Verlust auf. Das Zulassen der Gefühle ist eine Bedingung für das Fortschreiten im Trauerprozess.

 

  1. Phase des Suchens und Sich-Trennens

Der Verstorbene wird bewusst oder unbewusst gesucht. Es findet eine innere Auseinandersetzung mit ihm statt. In dieser Zeit vollzieht sich eine Klärung und Wandlung der Beziehung. Der Trauernde sucht die Nähe zum Verstorbenen in Formen und Dingen, die diesem nahestanden (Orte, Fotos, Gegenstände), in Fantasien, Träumen oder inneren Zwiegesprächen. Hält sich der Trauernde daran nicht fest, wird ein schrittweises Abschiednehmen möglich. Die Trauerarbeit gelingt, wenn auf empfundene Nähe immer wieder der Aspekt des Verlassen-Müssens folgt und dieser Abschied dann auch angenommen wird.

 

  1. Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs

Nun hat sich die Beziehung zum Verstorbenen gewandelt. Er wird als innerer Begleiter erlebt. Die Bezugsfähigkeit und das Selbstvertrauen wachsen neu und jetzt können auch neue Beziehungen eingegangen werden. Neue Lebensmuster treten auf, ohne den Verstorbenen zu vergessen. Obwohl auch in dieser Phase immer wieder Rückkehr zu vorherigen Phasen möglich ist, ist der Verlust akzeptiert und der Schmerz größtenteils überwunden.